Martin Beims über Vertrauen als Erfolgsfaktor

Im Interview mit Martin Beims über Vertrauen als Wegweiser für einen erfolgreichen Veränderungsprozess

Vertrauen als Erfolgsfaktor - Interview mit Martin Beims

Vertrauen ist ein Wert welcher sich in der Zusammenarbeit und der damit verbundenen Kommunikation entwickelt. Dort wo es kein Vertrauen gibt, entwickelt sich ein potentieller Nährboden für Angst. Diese Angst kann jedoch überwunden werden, sobald das zwischenmenschliche Verhältnis zueinander von Vertrauen geprägt ist.

Wenn sich Mitarbeiter und Führungskräfte gegenseitig vertrauen, ist die gemeinsame Zusammenarbeit von einer erhöhten Produktivität geprägt. Wer vertraut, ist motiviert und auch bereit mehr zu leisten.[1]

Es gibt drei wesentliche Grundlagen welche den Aufbau von Vertrauen grundsätzlich fördern:

  • Vertrauen schenken
  • Klare Ausdruckweise
  • Authentizität[2]

Wie kann sich ein Vertrauensverhältnis entwickeln?

Vertrauen braucht im ersten Schritt als Voraussetzung – Glaubwürdigkeit. Diese kann am ehesten erlangt werden, wenn Denken, Sprechen und Handeln aller Beteiligten übereinstimmen, also kongruent sind. Es ist die Klarheit im Handeln insbesondere der Führungskraft, welche absolut von Nöten ist, damit sich alle beteiligten Akteure im Rahmen eines Veränderungsprozesses sicher orientieren können.

Wir wollten wissen, welche Rolle Vertrauen in Veränderungsprozessen spielt. Um das herauszufinden haben wir den Geschäftsführer der aretas Gmbh, Martin Beims interviewt.

13 : 18 Querformat

Martin Beims (Geschäftsführer aretas GmbH)

Zur Person Martin Beims

Martin Beims befasst sich seit über 15 Jahren intensiv mit dem Thema Service Management. Seitdem ist er als Managementberater verantwortlich für die Gestaltung exzellenter Services bei Kunden des Mittelstands, des öffentlichen Dienstes und bei Großkonzernen. Herr Beims verfügt über langjährige Erfahrung als Managementberater, Seminarleiter und Referent. Im Dezember 2008 veröffentlichte er sein Buch „IT Service Management in der Praxis mit ITIL 3“, dass sich mit der zweiten Auflage im Jahre 2009 als Standardwerk in vielen Unternehmen etablierte und Eingang in die Literaturlisten zahlreicher renommierter Hochschulen fand. Im Dezember 2014 ist die vierte Auflage erschienen. Bei der aretas GmbH verantwortet Martin Beims neben seinen Aufgaben als Managementberater die Themen Vertrieb, Marketing und Medien.

Redaktion: Welche Bedeutung messen Sie dem Wert des Vertrauens im Rahmen eines Projektes bei?

Martin Beims: „Vertrauen ist die Grundlage für die erfolgreiche Durchführung von Veränderungsprozessen. Veränderungen rufen immer auch Ängste bei den Beteiligten hervor. Nur wenn das Projektteam den Führungskräften vertraut und die Führungskräfte auf der anderen Seite den Mitarbeitern das notwendige Vertrauen entgegenbringen, können Veränderungsprozesse weitgehend frei von Störungen durch so genannte „Politik“ gestaltet werden. Vertrauen beinhaltet dabei immer eine zweite Seite der Medaille: Der verantwortungsvolle Umgang mit dem entgegengebrachten Vertrauen ermöglicht erst, die vereinbarten Ziele zuverlässig und wirtschaftlich zu erreichen. Vertrauen und Verantwortung sind also ein untrennbar verbundenes Paar.“

Redaktion: Welche Maßnahmen kann eine Führungskraft im Rahmen eines Veränderungsprozesses setzen, um das Vertrauen der Mitarbeiter zu fördern?

Martin Beims: „Veränderungsprozesse erzeugen in der Regel ein gewisses Maß an Unsicherheit, weil alte Gewohnheiten aufgebrochen und neue Erwartungen formuliert werden. Als Führungskraft ist es wichtig, gerade in diesen Phasen Orientierung und Sicherheit zu geben. Dazu gehört ein wertschätzender Umgang mit allen Beteiligten, klar formulierte Erwartungen und ausreichend Freiräume, neues umzusetzen und einzuüben.

Zu Vertrauen gehört auch immer Verantwortung. Damit Menschen Verantwortung im Veränderungsprozess übernehmen, sollten Vorgesetzte – wo immer möglich – mit klar formulierten Zielen und Ergebnisvorgaben bzw. Vereinbarungen führen statt mit Arbeitsanweisungen auf Aktivitäten-Ebene. Voraussetzung dafür ist es, die an der Veränderung beteiligten Menschen für die neuen Aufgaben und Verantwortungen ausreichend zu befähigen.

Darüber hinaus geben klare und verlässliche Führungsgrundsätze während der Veränderung und die unterstützende Begleitung der Menschen durch den Veränderungsprozess zusätzliche Sicherheit.“

Wie würden Sie persönlich Vertrauenskultur definieren?

Martin Beims: „Immer wieder hört man Formulierungen wie „Das Vertrauen müssen Sie sich erst verdienen“. Vertrauen ist jedoch eine positive Grundhaltung, die zunächst nicht an Vorbedingungen geknüpft sein sollte. Der Begriff „Vertrauensvorschuss“ gefällt mir, denn eigentlich ist Vertrauen immer ein Vorschuss. In der Unternehmensführung heißt das für mich, den Menschen im Unternehmen vom ersten Tag an Vertrauen entgegen zu bringen. Das bedeutet zum Beispiel auch statt immer neuer „Karotten“ in Form von leistungsabhängigen Zusatzvergütungen vorzuhalten, einfach davon auszugehen, dass die Menschen aus sich heraus den bestmöglichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten wollen. Natürlich beinhaltet das auch ein angemessenes Gehalt für den Beitrag jedes Einzelnen zum Unternehmenserfolg.

Aber Vertrauen kann natürlich verloren gehen, wenn es nicht gerechtfertigt wird. Damit Vertrauen dauerhaft bestehen bleibt, ist ein gemeinsames Verständnis über zu erreichende Ziele und die notwendigen Schritte auf dem Weg dorthin ein wichtiger Baustein. Noch wichtiger ist es, dass alle Beteiligten über längere Zeit ein für das jeweilige Gegenüber einschätzbares Verhalten zeigen. Entscheidungen müssen nachvollziehbar und plausibel sein und in ihrer Grundrichtung mit dem gemeinsam vereinbarten Weg übereinstimmen, um bestehendes Vertrauen weiter zu festigen. Über allem stehen die gemeinsamen Unternehmenswerte als Kompass für alle Beteiligten, der im Zweifel die grundlegende Richtung weist.

Menschen in einem von Vertrauen und Verantwortung geprägtem Umfeld:

  • bilden Vertrauen zu Kunden und Kollegen durch Zuverlässigkeit – Was sie versprechen, halten sie auch.
  • sind fair. Der Nutzen für das Unternehmen und seine Kunden sind ihnen genauso wichtig wie persönliche Vorteile.
  • gehen verantwortungsvoll mit den Ressourcen des Unternehmens um
  • halten sich an vereinbarte Regeln.“

Redaktion: Gibt es ein Beispiel aus Ihrer Praxis, woraus deutlich hervorgeht, dass Vertrauen als DER Erfolgsfaktor identifiziert werden konnte?

Martin Beims: „Im Rahmen eines Projekts zur Einführung von Serviceprozessen wurden die Rollen der operativen Prozessverantwortlichen neu besetzt. Für alle Beteiligten war konsequent prozessorientiertes Arbeiten Neuland. So kam es zu einer Vielzahl von Schwierigkeiten. Die neuen Prozessverantwortlichen hatten keine Erfahrung in der Steuerung von Prozessen, so dass es zu Fehlentwicklungen kam. Die Prozessbeteiligten waren ebenfalls keine Prozessorganisation gewöhnt und hatten Schwierigkeiten damit, sich von den Prozessverantwortlichen „steuern“ zu lassen. Die verantwortliche Abteilungsleiterin kam in Erklärungsnot ihren Vorgesetzten gegenüber, weil die Effizienz sank statt wie erwartet zu steigen.

Statt den unerfahrenen Mitarbeitern das Vertrauen zu entziehen, sprach die Abteilungsleiterin ihnen explizit und vor allen anderen Mitarbeitern ihr Vertrauen aus. Darüber hinaus stellte sie ihnen erfahrene Coaches zur Seite, die dabei halfen, die Prozesse schrittweise zu verbessern und zum „Leben“ zu erwecken. Entscheidungen wurden von der Abteilungsleiterin verlässlich entsprechend der Vereinbarungen getroffen, so dass das Vertrauen in die neuen Prozessverantwortlichen und deren Selbstvertrauen über einen Zeitraum von einigen Monaten kontinuierlich wuchs. Heute steuern beide die IT Betriebsprozesse in einem weltweit agierenden Konzern weitgehend eigenständig und sind sowohl von den Kollegen als auch von den Vorgesetzten durchgängig akzeptiert.“

Vielen Dank für das spannende Interview!

 

Quellen:

[1] Vgl. Interaction Associates, Studie: Building Trust 2013. Worforce Trends Defining High Performance, http://www.hci.org/files/field_content_file/IA%20-%20June%202013%20-%20Building%20Trust%202013%20-%20Workforce%20Trends%20Defining%20High%20Performance.pdf (12.12.2014)

[2] Vgl. Russell, Nan S.: Psychology Today – 10 Ways Effektive Leaders Build Trust, https://www.psychologytoday.com/blog/trust-the-new-workplace-currency/201208/10-ways-effective-leaders-build-trust-0 (12.12.2014)

 

Review overview
ABONNIEREN
close slider
Magazin via E-Mail abonnieren

Geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse an, um dieses Magazin zu abonnieren und kostenlose Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.