Die Zahlen sind nicht genug

Wer es versäumt, neben guten Zahlen auch Führungskultur und Vertrauen als erfolgsrelevante Maßstäbe ernst zu nehmen, hat schlechte Karten für die Zukunft.

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Wer es versäumt, neben guten Zahlen auch Führungskultur und Vertrauen als erfolgsrelevante Maßstäbe ernst zu nehmen, hat schlechte Karten für die Zukunft.

Eine aktuelle Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Carsten Steinert, Hochschule Osnabrück, zeigt, dass Unternehmen mehr Wert auf gute Zahlen als auf gutes Führungsverhalten legen. Bei einer Befragung gaben mehr als 60 % der Unternehmen an, bei guten Ergebnissen Schwächen im Führungsverhalten zu tolerieren. Diese Bereitschaft besteht vorrangig in den oberen Etagen. Führungsverhalten gehört hier nur bei 60 % der Führungskräfte zur Personal-Beurteilung. Dagegen sind es bei Angestellten der mittleren und unteren Ebene über 90%. Befragt wurden Unternehmen der Branchen Industrie und produzierendes Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, Finanzen und Versicherungen mit mindestens 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Veränderung braucht Vertrauen

Das Ergebnis dieser Studie zeigt in nahezu erschreckender Deutlichkeit, dass Unternehmen die wirklich nachhaltigen Erfolgsfaktoren immer noch zu wenig fokussieren: Denn das Führungsverhalten hat wesentlichen Einfluss auf die Veränderungsfähigkeit und damit auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Veränderungen sind das tägliche Brot jeder positiven Unternehmensentwicklung. Veränderungen führen bei Mitarbeitern jedoch häufig zu Unsicherheit. Sie erkennen, dass sie ihre Arbeitsweisen umstellen müssen, möglicherweise sogar ihre Aufgaben oder ihren Platz verlieren könnten. Dies führt häufig zu Widerstand, der sinnvolle Veränderungen verhindern kann. Um Veränderungsprojekte nicht zu gefährden, sollten die Mitarbeiter deshalb frühzeitig in Veränderungsprozesse eingebunden werden.

Es ist die Aufgabe der Vorgesetzten, Aufmerksamkeit und Betroffenheit zu erzeugen, die Notwendigkeit der Veränderung darzustellen, über Ziele zu informieren und Wege dahin zu diskutieren. Dabei kommt dem Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten besondere Bedeutung zu: Vertrauen verlangt das gemeinsame Verständnis über zu erreichende Ziele und die notwendigen Schritte auf dem Weg dorthin. Und Vertrauen entsteht nur, wenn eine Führungskraft über längere Zeit ein für den Mitarbeiter einschätzbares Verhalten zeigt. Dabei sollten sich Führungskräfte auch ihrer Rolle als Vorbild bewusst sein, das den Arbeitsstil im Unternehmen entscheidend prägt.

Führungskultur sichert Vorsprung

Führungskräfte, die vorrangig auf das Erreichen ihrer Quartalszahlen fixiert sind, riskieren, das Vertrauen ihrer Mitarbeiter zu verlieren, wenn ihre Entscheidungen den Mitarbeitern nicht plausibel erscheinen. Entscheidungen, die nicht mit dem gemeinsam vereinbarten Weg übereinstimmen, oder die Bedürfnisse der Mitarbeiter nicht ausreichend berücksichtigen, führen zu Verunsicherung und Vertrauensverlust. Durch solche Entscheidungen werden zwar kurzfristig Unternehmensziele erreicht, langfristig wird die Entwicklung des Unternehmens jedoch gefährdet. Die Veränderungsfähigkeit leidet, weil kein ausreichendes Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten besteht. Verschiedene Studien, wie zum Beispiel „VDMA: Zukunftsfähigkeit des deutschen Maschinenbaus“, zeigen, dass sich Märkte und Umwelteinflüsse immer schneller verändern.

Anpassungsfähige Unternehmen gehören schon heute zu den Champions und werden in der Zukunft weiter erfolgreich sein. Die Notwendigkeit, sich mit den Märkten weiterzuentwickeln, steigt. Und damit wird deutlich: Führungsverhalten, das gerade in Veränderungsprozessen auf Vertrauen setzt, ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Es beeinflusst direkt den Unternehmenserfolg – und damit auch die Zahlen, die bei einigen Führungskräften so sehr im Vordergrund stehen.

Übrigens: Viele Unternehmen haben sich „Führungskultur“ auf die Agenda geschrieben. Aber die Studie zeigt auch, dass konkrete Maßnahmen nicht konsequent umgesetzt werden. Auch dies ist ein Signal in das Unternehmen: Führungskräfte leben vor, dass sie nicht konsequent handeln. Welche Schlüsse die Mitarbeiter daraus wohl ziehen?

http://www.bildungsspiegel.de/bildungsnews/personalentwicklung/2662-studie-nur-knapp-jede-dritte-chefetage-lebt-positive-fuehrungskultur-vor.html

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