Die Rote Königin

Unternehmen sind einem ständigen Wandel unterworfen. Dabei ist wesentlich, Veränderungen zuzulassen um die Marktposition zu festigen.

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„Laufe so schnell du kannst, um zu bleiben, wo du bist!“

Ein Unternehmen und dessen Umfeld sind einem ständigen Wandel unterworfen. Dabei ist für ein Unternehmen wesentlich, Veränderungen zuzulassen um die Marktpositionierung zu festigen. Hierbei handelt es sich um ein paradoxes Phänomen, dem der „Roten Königin“ aus Alice im Wunderland, denn diese meinte: „Laufe so schnell du kannst, um zu bleiben, wo du bist!“[1]

Bei diesem Phänomen zeigen sich Parallelen zur Evolutionstheorie.[2] Konkret bedeutet das, dass eine stetige Weiterentwicklung von Abläufen, Strukturen, Regeln und Verhaltensprägungen sich aus dem Unternehmen selbst heraus entwickeln. Im Grunde handelt es sich dabei um ein evolutionäres Wettrüsten zur Erhaltung der Wettbewerbsposition.[3] Das bedeutet, dass sich das Unternehmen von innen nach außen hin stärkt – stärken muss – um am Markt bestehen zu können.

Ein Wettrüsten ist deshalb notwendig, weil ein Wettstreit bedeutet, dass es:

  • zu einer Konkurrenz unter den Individuen derselben Art,
  • zu einer Konkurrenz von Individuen verschiedener Arten,
  • und zu einer Auseinandersetzung mit der Umwelt kommt.[4]

Das Verhältnis zwischen Unternehmen und Umwelt ist so eng und speziell, dass beide sich gegenseitig in ihrer evolutionären Entwicklung beeinflussen.

Weiterentwicklung ist eine Notwendigkeit, um bei voranschreitenden Märkten nicht stehen zu bleiben oder gar zurückzufallen und um auf permanent neu auftretende Anforderungen und Bedürfnisse der Kunden schnell und richtig reagieren zu können“, meint Ulrich Goebbels, Managing Consultant der aretas GmbH.

Das bedeutet, wer sich rechtzeitigt weiterentwickelt, also um im Bild zu bleiben „schnell genug läuft“, hat die besten Voraussetzungen, sein direktes Umfeld und den Markt aktiv mitzugestalten. Voraussetzung dafür sind starke Führungskräfte, deren Aufgabe es ist, Akzeptanz auf allen Ebenen zu schaffen und gleichermaßen veränderungsbereite Mitarbeiter.

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„Man darf den Wandel nicht einfach als etwas präsentieren, das ganz nett wäre. Er muß eine Überlebensfrage sein.“[5]

Die Klärung der Überlebensfrage eines Unternehmens ist uneingeschränkt die Aufgabe von Führungskräften mit Leadership Skills Es ist Teil ihrer Führungsaufgabe, Mitarbeiter dahingehend zu motivieren, dass sie sich dem Wandel gegenüber verpflichtet fühlen um zu einem wettbewerbsfähigen Unternehmen beizutragen. Wer dazu nicht bereit ist, wird schnell erkennen müssen, dass seine Arbeitsweise und sein Verhalten nicht mehr zu dem seines Umfelds passen, was so weit gehen kann, das dass ein einzelner Akteur vom Team ausgeschlossen wird. Will er den Wandel mittragen und weiterhin zum Team (zum Unternehmen) dazugehören – also dort bleiben wo er ist – dann muss er mit mindestens gleicher Geschwindigkeit in die gleiche Richtung zu „laufen“ wie die anderen auch.

Die folgenden fünf Kern-Prinzipien dienen einem Leader als Roter Faden um dafür Sorge zu tragen, dass „seine“ Mitarbeiter nicht davonlaufen, sondern da bleiben um das Unternehmen von innen nach außen zu stärken. Das bedeutet mitunter für den Leader, diese „an die Hand zu nehmen, ohne festzuhalten und loslassen, ohne fallen zu lassen“ (Wilma Thomalla).

Leadership schafft Freiraum für Mitarbeiter

 

1.    Vorbereitet sein

Das bedeutet, mit einem klaren Zielbild vor Augen und einer guten Einschätzung der aktuellen Situation, jeder Situation zu begegnen (z.B. in Meetings). Überraschungen sind hier nicht förderlich. Zumal ein gesundes Wertebild, wie Offenheit, das Einhalten von Versprechen und eine gespiegelte Erwartungshaltung wichtige Grundlagen sind. Dies gewährleistet jederzeit im richtigen Maße antworten zu können.

2.    Zuhören

Eine gute Führungskraft hört alle beteiligten Akteure einer Aktivität an und merkt, wenn etwas über „Hören-Sagen“ weitergegeben wird. Auch sind Vermutungen zu enttarnen und Meinungen ausschließlich aufgrund von Fakten zu bilden. In Summe ist eine objektive Auf- und Annahme von Meinungen wichtig. Sollte dies nicht gelingen, wird Information und Meinung sehr bald an der Führungskraft vorbeigeschleust, zu Abnehmern, die besser zuhören und annehmen.

3.    Wissen was passiert

Welche Themen beschäftigen die Beteiligten und was liegt ihnen wirklich auf dem Herzen? Es ist unabdingbar den Rahmen und die aktuelle Situation einer Aktivität gut zu kennen. Auftretende Hemmnisse sollten frühzeitig erkannt und aus dem Weg geräumt werden. Nur so ist es möglich, einschätzen zu können, wie Neuigkeiten oder aktuelle Anpassungen in die bestehenden Aktivitäten eingebunden werden sollten. Auch hier gibt es kein exaktes Maß. Manchmal ist weniger mehr und umgekehrt – das ist im Grunde abhängig vom jeweiligen Umfeld.

4.    Lösungen finden

In komplexen Systemen ist es völlig normal, dass es zu Fehlern kommt. Das Mitwirken unterschiedlicher Stakeholder trägt zur Komplexität und somit zu einer erhöhten Fehleranfälligkeit bei. Es ist in der Regel nicht hilfreich mit dem Finger auf den vermeintlich Schuldigen zu zeigen, da es nichts an der Situation an sich ändert. Die Suche nach einem Schuldigen ist eine verlorene Ressource. Viel wichtiger sind konkrete Fragen, deren Antworten helfen sollen, den gleichen Fehler in der Zukunft zu vermeiden. Eine gute Analyse, gefolgt von wichtigen Entscheidungen, sorgt dafür, dass „der Kahn“ wieder schnell Fahrt aufnehmen kann. So können neue Ressourcen, wie z.B. der Erkenntnisgewinn erreicht werden. Das Ergebnis ist mitunter eine Lernende Organisation. Ein routinierter Umgang mit Fehlern gibt der Mannschaft Stabilität und Ruhe für weitere anstehende Aufgaben.

5.    Aus Fehlern lernen

Der geschickte Umgang mit Fehlern, trägt zu einer offenen und akzeptierten Fehlerkultur bei – eine Kultur, welche die inhaltliche Diskussion zulässt. In diesen Momenten können Kräfte gebündelt werden und Raum schaffen, für einen aktiv gesteuerten kreativen Prozess, der die Entwicklung alternativer Lösungen zulässt.

Die Führungskraft als Kommunikator und Multiplikator

Aus der Perspektive der Führungskraft ist es unverzichtbar, als Motivator und Vorbild voran zu gehen. Die Führungskraft hat dabei mehrere Rollen zu erfüllen. Zwei zentrale Rollen sind die des Kommunikators und des Multiplikators. Es ist ihre Aufgabe, mit Überzeugung und Konsequenz den Wandel zu forcieren und Entscheidungen zu treffen.

Fazit ist, dass Mitarbeiter und Führungskräfte einander Vertrauen entgegen bringen müssen, in der Annahme, dass alle Entscheidungen mit Verantwortung und zum Wohle aller getroffen werden. Es bedarf einer stabilen Vetrauenskultur um einerseits in eine gemeinsame Richtung laufen zu wollen und eine tragfähige Beziehung um andererseits da bleiben zu wollen wo man ist.

Abschließend die klugen Worte der Grinsekatze aus Alice im Wunderland auf die Frage von Alice: „Was würdest du mir bitte sagen, wie ich von hier aus weitergehen soll?“ „Das hängt zum größten Teil davon ab, wohin du möchtest“. Diese Frage könnte zu Beginn eines jeden Veränderungsprozesses stehen, in der Hoffnung, dass es eine klare Antwort hinsichtlich der Richtung gibt! Mehr darüber, erfahren Sie in unserem nächsten Artikel.

 

Die Experten zum Thema

Ulrich Goebbels aretas GmbH

Ulrich Göbbels (Managing Consultant der aretas GmbH, Beratung & Coaching)

Dr. Horst Neyer (Managing Consultant der aretas GmbH), Fokus: Investitionsgüter

Dr. Horst Neyer (Managing Consultant der aretas GmbH, Fokus: Investitionsgüter)

 

 

 

 

[1] Herzkönigin aus Alice im Wunderland

[2] Vgl. Schurz, Gerhard.: Evolution in Natur und Kultur: Eine Einführung in die verallgemeinerte Evolutionstheorie, Spektrum Akademischer Verlag, (Düsseldorf 2011);

[3] Vgl. Schepker, Prozessgestaltung im Wandel. Der Change Management-Rahmen, Dissertation, S.322

[4] Vgl. Evolution. Wettstreit. Online im Internet: http://de.wikibooks.org/wiki/Natur:_Evolution#Wettstreit, abgerufen am 18.11.2014

[5] David Swanson, Manager von Procter & Gamble

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