Die neue Rolle der IT

Business Anforderungen schnell und zuverlässig zu erfüllen wird zukünftig nicht ausreichen. Die IT wird die Geschäftsmodelle des Unternehmens beeinflussen

Artikel Service Kompass - Die neue Rolle der IT

In einer Welt der fortschreitenden Digitalisierung steigt der Druck, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, um auch zukünftig im Wettbewerb bestehen zu können. Das stellt nicht nur neue Anforderungen bezüglich Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit an die Unternehmens-IT, es verändert die Rolle der IT und die Bedeutung für den Unternehmenserfolg radikal.

Bisher war gefragt, die bestehenden Geschäftsprozesse durch Automatisierung zu unterstützen und die Anforderungen der Anwender bestmöglich zu erfüllen. Viele Unternehmen haben hier inzwischen – auch mit Hilfe der klassischen ITSM Methoden wie zum Beispiel ITIL – große Fortschritte gemacht. Den Fokus auf den Service zu legen, also auf den Nutzeffekt für die Anwender und das Unternehmen statt auf technische Komponenten, ist inzwischen zumindest theoretisch zum Allgemeingut geworden. Die Richtung stimmt, auch wenn die meisten Unternehmen noch viel Entwicklungspotential haben.

In Zukunft eröffnet sich eine weitere Dimension für die Unternehmens-IT: Sie wird weit über die Erfüllung definierter Anforderungen hinaus als Innovationstreiber im gesamten Unternehmen gefragt sein. Sie wird ein zentraler Bestandteil der Wertschöpfung werden und sich von ihrer unterstützenden Funktion immer weiter in Richtung Kernprozess des Unternehmens entwickeln. Statt bestehende Geschäftsmodelle zu unterstützen, wird sie ein wesentlicher Ideengeber für völlig neue Geschäftsmodelle sein.

Autonom fahrende Autos, die das bisherige Geschäftsmodell – Autos verkaufen – infrage stellen und Geschäftsmodelle wie „Transport von A nach B verkaufen“ ermöglichen, sind nur ein plakatives Beispiel für grundlegende Veränderungen etablierter Geschäftsmodelle. Ein weiteres Beispiel ist das durch Digitalisierung entstandene oder zumindest radikal erneuerte Prinzip der Plattformökonomie. Sie hat die Art wie Musik verkauft wird (iTunes), wie Hotels ihre Betten auslasten (HRS) oder wie Warenhäuser funktionieren (Amazon) völlig auf den Kopf gestellt.

Wenn Unternehmen in diesem Umfeld erfolgreich sein wollen, werden sie die IT stärker in die Entwicklung des Unternehmens und des Portfolios einbeziehen müssen. Auch für die IT bedeutet das eine grundlegende Veränderung der Sicht auf das Business. Die seit vielen Jahren andauernde Entwicklung der IT zum Anbieter bedarfsgerechter Services statt reiner Technologie muss den nächsten Evolutionsschritt gehen. Die Service-Level-konforme Erbringung der vereinbarten Services wird nur noch ein Teil der Aufgaben darstellen. Zusätzlich wird die IT gefragt sein, der Rolle als Ideenlieferant im eigentlichen Geschäft gerecht zu werden. Sie entwickelt sich von einer klassischen, unterstützenden Funktion noch mehr als bisher zu einer Kernfunktion des Unternehmens.

Wenn die IT sich zukünftig tatsächlich kreativ mit neuen Ideen für das Geschäft, also Service Innovation befassen will, dann bedeutet das zunächst, die Basics zu beherrschen. Das sind die sicherere, zuverlässige und wirtschaftliche Bereitstellung der vereinbarten Services und die anforderungsgerechte Umsetzung neuer und geänderter Anforderungen. Um das zu leisten, muss die IT die aktuellen Prozesse und Aktivitäten des Business detailliert kennen. Und sie muss wissen, welche Services für welchen dieser Prozesse benötigt werden.

Mehr oder weniger aktuell diskutierte Ideen wie die bimodale IT (Gartner) oder 2-speed-IT (McKinsey) adressieren diese Problematik nur teilweise, denn sie befassen sich lediglich mit den Betriebsmodi, um Kundenanforderungen sowohl schnell als auch zuverlässig erfüllen zu können. Für die IT der Zukunft ist das nicht ausreichend, denn sie wird eben nicht nur Anforderungen erfüllen, sondern aktiv die Geschäftsmodelle mitgestalten und als Innovationstreiber im gesamten Unternehmen agieren. Gleichzeitig wird die Bedeutung der IT für die Produktion weiter steigen und damit neue Herausforderungen für den sicheren Betrieb maschinennaher IT Systeme und deren Wartung erzeugen.

Egal ob die IT sich zukünftig darauf einstellt, alle diese Herausforderungen aus eigener Kraft zu erfüllen, ob Sie sich auf Ihre Rolle als Innovationstreiber spezialisiert und den sicheren Betrieb ganz oder Teilweise an Sourcing-Partner vergibt oder einen anderen Weg findet: Es sind keine zwei Geschwindigkeiten auf die sich der CIO vorbereiten muss sondern zwei komplett unterschiedliche Perspektiven von denen eine – die Geschäftsmodellinnovation – bisher keine oder maximal eine sehr untergeordnete Rolle gespielt hat.

Service Innovation – über die Erfassung und schnelle Umsetzung bestehender und neuer Anforderungen hinaus wird für den CIO in den nächsten Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen. Die IT rückt damit weit in das Zentrum der unternehmenskritischen Prozesse und die alte Diskussion, ob der CIO Teil der Unternehmensführung sein soll, wird vor diesem Hintergrund neu belebt werden.

Von Martin Beims

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