CIOs zwischen Pflicht und Kür – Beifall für die IT!

Die IT gewinnt an Wichtigkeit für die Kernprozesse der meisten Unternehmen. Die Treiber dieser Entwicklung kommen aus den Bereichen Marketing, dem Vertrieb, den Finanzen, oder der Produktion und stellen die IT vor neue Herausforderungen

Service Kompass Artikel - Der CIO zwischen Pflicht und Kür

In beinahe allen Branchen schreitet die Automatisierung und Digitalisierung der Prozesse vor dem Hintergrund der rasanten technologischen Entwicklung immer schneller voran. Die IT gewinnt dabei an Wichtigkeit für die Kernprozesse vieler Unternehmen. Die Treiber dieser Entwicklung kommen aus den Bereichen Marketing, dem Vertrieb, den Finanzen, oder der Produktion dieser Unternehmen. Die Affinität zu aktuellen technologischen Entwicklungen nimmt bei den Managern stetig zu und sie verfügen zunehmend auch über die Fähigkeiten, diese für den Unternehmenserfolg einzusetzen. Auch die Generation der sogenannten „Digital Immigrants“, also Menschen, die schon in die Schule gegangen sind, als noch keine Smartphone-Verbote im Unterricht ausgesprochen werden mussten, ist inzwischen in der Welt der sozialen Medien und mobilen Endgeräte angekommen.

Der CIO ist dabei zunehmend Getriebener durch immer neue geschäftliche Anforderungen, die nicht zuletzt aus dieser Vermischung von geschäftlicher und privater Nutzung von IT entstehen. Viele sehen die IT mit dem Blick des privaten Nutzers und fragen sich, warum das was mit den eigenen Geräten und Applikationen geht, nicht auch in der Unternehmens-IT funktioniert. Der CIO gerät so schnell in den Rechtfertigungsmodus.

Der CIO auf Augenhöhe

Der Einblick ins Kerngeschäft bleibt dem CIO oft verwehrt. Viele CEOs, COOs und CFOs empfinden es geradezu als Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten, wenn er eigene Gedanken zur Weiterentwicklung des Geschäfts formuliert. Diese Ungleichheit wirkt sich auf die Zusammenarbeit aus. Die Studien IT-Trends 2014 und 2015 von Capgemini stellen daher auch fest, dass die Rolle des CIOs nicht in gleichem Maß an Bedeutung gewinnt, wie die der IT.

Bisher wurden vom CIO vor allem zwei Dinge gefordert: Stabilität und Sicherheit von Applikationen und Daten und ein effizienter Betrieb von Applikationen und Infrastruktur. Das Wissen über effizienten Betrieb reicht jedoch heute bei weitem nicht mehr aus. Neue Technologien müssen auf Nutzbarkeit im Geschäft der Zukunft geprüft werden. Geschäftsprozesse müssen neu gedacht werden. Unternehmen, die heute erfolgreich sein wollen, müssen Innovationen schneller zur Marktreife bringen, als der Wettbewerb. Jede Innovation muss drei Kerneigenschaften mitbringen: Wünschbarkeit, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit (vgl. Design Thinking). Die Rollen für die Entwicklung von Innovationen scheinen klar verteilt. Während sich die Fachbereiche nur um die Wünsche kümmern, fällt der IT die Rolle des Spielverderbers zu, der an der Machbarkeit oder Wirtschaftlichkeit scheitert.

Die Studie IT-Trends 2014 legt nahe, dass sich die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen in vielen Unternehmen verbessert hat. Begründet wird das damit, dass Projekte zum Business IT Alignment rückläufig sind. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass nur wenige IT Organisationen die notwendige Agilität erreichen, um auf die Anforderungen der Fachbereiche adäquat zu reagieren.

Drei Schritte für mehr Wertschätzung der IT

Da die Grenzen zwischen dem Kerngeschäft und seinen Prozessen und der IT durch Entwicklungen wie Digitalisierung und Industrie 4.0 nach und nach verwischen, ist eine neue Form der Zusammenarbeit in den Managementgremien erforderlich. Das braucht gegenseitigen Respekt und Vertrauen. Der CIO kann die Rolle des Vermittlers zwischen den Welten übernehmen wenn er den Respekt und das Vertrauen der Fachbereiche hat. Der CIO muss dazu die Grundlagen schaffen:

  1. Basis schaffen
    Das Vertrauen der Fachbereiche wächst mit der Sicherheit, welche die IT ihnen gibt. Dabei sollten CIOs das Grundprinzip aus der Marriot-Philosophie beachten: „Serve hot food hot and cold food cold“. Was so viel heißt wie „Stell sicher, dass die grundlegenden Anforderungen erfüllt sind, bevor Du Dich um die wünschenswerten Extras kümmerst.
  1. Flexibilität erhöhen
    Die Fähigkeit zur Umsetzung immer neuer Anforderungen kann durch den Einsatz agiler Methoden gefördert werden. Entscheidend ist aber, dass die Bereitschaft der Organisation für Veränderungen ausgebildet wird. Letzteres erfordert die Einbeziehung aller Mitarbeiter.
  2. Aktiven Austausch mit den Fachbereichen aufbauen
    Der größte Feind von Vertrauen und Respekt ist die Unsicherheit. Daher ist der intensive Austausch zwischen IT und Fachbereichen unverzichtbar. Dabei muss der Austausch in beide Richtungen funktionieren. Für den CIO bedeutet das einerseits, sich transparent an der Leistungsfähigkeit seiner IT messen zu lassen und andererseits die aktive Auseinandersetzung mit den Anforderungen der Fachbereiche im Kontext der Unternehmensstrategie. Je dichter das Netzwerk zwischen IT und Fachbereichen auf allen Ebenen organisiert ist, desto belastbarer werden auch die Ergebnisse sein.

Aus einer Position der gegenseitigen Wertschätzung kann der CIO in einer interdisziplinären Innovationswerkstatt, unter gemeinsamer Führung von Geschäft und IT, die Zukunft aktiv mitgestalten. Sowohl das Management der Fachbereiche als auch der CIO sind gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu schaffen.

Von Dr. Roland Fleischer

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3 KOMMENTARE
  • Steffen Wendel 9. Februar 2016

    Schön beschrieben, sieht die Welt dennoch nicht noch ein wenig anders aus?
    Sicher aus der Fachsicht ist die IT der Spielverderber, aber warum? Aus meiner Sicht zu viele schlecht beschriebene Wünsche „Anforderungen“. Des weiteren fehlt es in vielen Fällen an einer vernünftigen Portfolio bzw. Ressourcen-Steuerung. Und hier ist das TOP Management in den Organisationen gefragt. Klare Strategie verbunden mit verständlichen Zielen und der Mut Entscheidungen zu fällen und diese auch nachhaltig zu begleiten. Nur so kann die IT/CIO ihren Job ordentlich machen.

  • Roland Fleischer 9. Februar 2016

    Sicher gibt es auch auf Seiten der Fachbereiche den einen oder anderen Handlungsbedarf, wenn es um die Formulierung der Ziele und Anforderungen geht. Allerdings kann sich der CIO sein Top Management nicht aussuchen. Wenn der CIO an dieser Stelle Verbesserungen wünscht muss er selbst kreativ und aktiv werden. „Es gibt drei Arten von Angelegenheiten: Die Angelegenheiten Gottes, die Angelegenheiten Anderer und deine eigenen Angelegenheiten. Du kannst nur Deine eigenen Angelegenheiten verändern.“ (Byron Katie)

  • Nico Kroker 10. Februar 2016

    Gerne möchte ich mich auf zwei Sätze meiner Vorredner beziehen.
    Herr Wendel schreibt: „Und hier ist das TOP Management in den Organisationen gefragt.“
    Herr Fleischer schreibt: „Allerdings kann sich der CIO sein Top Management nicht aussuchen.“
    Darüber hinaus ist oben im Text eine Studie von Capgemini erwähnt, in der festgestellt wurde:
    „… dass die Rolle des CIOs nicht in gleichem Maß an Bedeutung gewinnt, wie die der IT.
    Aus meiner Sicht beginnt hier in der Wahrnehmung schon ein Problem.
    Wenn man darüber nachdenkt, dass umgangssprachlich die höchste Führungsebene eines Unternehmens mit C-Level bezeichnet wird, müsste doch der CIO zum Top Management gehören.
    In der Praxis stelle ich jedoch fest, dass die Rolle des CIO häufig der „echten“ ersten Führungsebene unterstellt ist, meist dem CFO.
    Die Frage, die ich mir immer wieder stelle ist: Warum ist das so?
    An der Aufgabe des CIO kann es aus meiner Sicht nicht liegen, da bei der heutigen Technologiedurchdringung oder nennen wir es auch gerne Industrie 4.0, das Verantwortungsspektrum eines CIO gemessen an der Relevanz für den Geschäftserfolg doch keinesfalls dem des CFO oder CTO nachrangig ist.
    Gerne möchte ich meine Vermutung zur Diskussion stellen, dass diese Unterordnung der CIO Rolle aus der Historie entstanden ist und auch stark mit den Charakteren zusammenhängt, die diese Position in der Vergangenheit besetzt haben.

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